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Morgenland Festival 2022 in Osnabrück mit Opern-Uraufführung

Foto: Yasamin Shahhosseini

Osnabrück. Das gab es in dieser Form noch nicht: Das Morgenland Festival Osnabrück 2022 bringt in diesem Frühsommer ein spektakuläres Musiktheaterwerk auf die Bühne. Die Uraufführung der Oper „Songs for Days to Come“ von Kinan Azmeh am Samstag, 4. Juni, im Theater am Domhof, wird gleichzeitig die Eröffnung des Festivals sein. Bis einschließlich 18. Juni stehen etliche weitere Konzerte mit MusikerInnen aus Ländern östlich des Mittelmeerraums auf dem Programm. Nach zwei kraftzehrenden Jahren präsentiert sich das beliebte Festival wieder in seiner gewohnten Gestalt an fünf Orten in der Stadt. Der Kartenvorverkauf hat soeben begonnen. Auch die Website mit dem ausführlichen Programm ist jetzt online www.morgenland- festival.com.

Im Rahmen des Festivals und in den folgenden Wochen wird „Songs for Days to Come“ des syrischen Komponisten und Klarinettisten Kinan Azmeh sieben Male im Theater am Domhof zu erleben sein. Entstanden ist die Oper als Ko-Produktion mit dem Theater Osnabrück, dessen Intendant Ulrich Mokrusch die Regie übernimmt. „Die Osnabrücker Kulturszene mit ihrer unkomplizierten Kollegialität ermöglicht es uns in diesem Jahr, über uns hinauszuwachsen“, so Festival-Leiter Michael Dreyer. „Songs for Days to Come“ ist das umfangreichste Projekt, das das Morgenland Festival Osnabrück bislang in seiner Geschichte realisiert hat.

Das Publikum erwartet ein vielschichtiges Mosaik aus Musik, Dichtung und Bühnenbildkunst für SolistInnen, SchauspielerInnen, Chor und Orchester. Es basiert auf Gedichten zeitgenössischer syrischer LyrikerInnen, die von Liwaa Yazji und Mohammad Abou Laban zu einem Libretto geformt wurden. Inhaltlich befasst sich das Werk mit der jüngsten Geschichte Syriens und den weltweiten Fluchtbewegungen. „Keiner konnte im Jahr 2020, als Kinan Azmeh die ersten Überlegungen für sein Werk anstellte, ahnen, wie traurig aktuell das Thema auch zwei Jahre später sein würde“, sagt Michael Dreyer. Die musikalische Leitung hat Daniel Inbal. Der Kompositionsauftrag wurde durch die Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert. Weitere Aufführungstermine im Rahmen des Morgenland Festival Osnabrück sind der 10. und 14. Juni, anschließend wird die Oper noch am 22. Juni, am 1., 3. und 8. Juli zu sehen sein. Deutschlandfunk Kultur und das spanische Radio Nacional werden einen Mitschnitt in ihren Programmen senden.


Schon am Sonntag, 5. Juni, geht es ebenso spannend weiter: Mit dem Projekt „Timbres of Middle-East-Europe“ kommt Mehdi Aminian mit seinem Ensemble in die Lagerhalle Osnabrück. Der im iranischen Isfahan geborene Musiker verließ im Alter von 16 Jahren seine Heimat, um Musik, Musikethnologie und Informationstechnik in Bosnien, Rumänien, Malaysia, Österreich und den Niederlanden zu studieren. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Aminians Projekt befasst sich mit den Schnittstellen der Musik des Balkans und des Vorderen Orient.

Am Montag, 6. Juni, präsentiert in der Lagerhalle zunächst das Ensemble Romengo aus Budapest ungarische Roma-Musik: Die experimentierfreudige Gruppe um die charismatische Sängerin Mónika Lakatos steht in der Oláh-Tradition. Sie nutzt Haushaltsgegenstände wie Wasserkannen und Holzlöffel als Instrumente und integriert Elemente aus Jazz und Flamenco in ihre Musik. Eigene Kompositionen werden ebenso zu hören sein wie Interpretationen von Liedern, die von Generation zu Generation in der Familie weitergegeben wurden. Anschließend kommt der legendäre bulgarische Klarinettist Ivo Papasov mit seiner Wedding Band auf die Lagerhallen-Bühne. Der Sohn einer Roma-Familie ist bekannt für seine explosive Mischung aus bulgarischer Volksmusik, Jazz und zeitgenössischen Elementen. Er prägte und bereicherte damit die Musikszene schon lange bevor Balkan-Bands in den 1980er Jahren die Charts stürmten. Der Avantgarde-Rocker Frank Zappa nannte ihn als ein Vorbild.
Am Mittwoch, 8. Juni, werden gleich sieben Werke im Osnabrücker Rosenhof uraufgeführt werden. Die Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück hat im Corona-Jahr 2020 bei Jalgasbek Iles, Dima

Orsho, Merima Ključo, Moslem Rahal, Yasamin Shahhosseini, Saman Gambarov und Ibrahim Keivo Kompositionen in Auftrag gegeben, um ihnen in dieser schwierigen Zeit Arbeit zu ermöglichen. Die festivaleigene Morgenland All Star Band wird sie in der Friedensstadt einstudieren und dem Publikum präsentieren. Seit 2012 begeistert die Morgenland All Star Band mit einem globalen Soundgeflecht aus traditionellen Klängen, Jazz und Rock. Die Band vereint einige der herausragenden Musikerpersönlichkeiten des Vorderen Orients mit europäischen Jazzgrößen.

Das niederländische Trio „Under the Surface“ taucht gemeinsam mit dem Publikum mit sphärischen Gesangslinien, nachdenklichen Gitarrenklängen und atmosphärischen Effekten in traumverlorene Welten ein. Die Sängerin Sanne Rambags, der Schlagzeuger und Perkussionist Joost Lijbaart und der Gitarrist Bram Stadhouders vereinen drei Generationen niederländischer MusikerInnen und sind weltweit auf Tour – am Donnerstag, 9. Juni, machen sie Station im Blue Note in Osnabrück und treffen dort auf die junge syrische Sängerin Abeer Albatal und weitere Gäste.

Drei weitere Konzerte folgen in der Lagerhalle: Am Freitag, 10. Juni, sind dort die beiden bosnischen Musikerinnen Jelena Milušić (Gesang) und Merima Ključo (Akkordeon) mit einem von Ključo komponierten Liederzyklus zu hören. Am Mittwoch, 15. Juni, teilen die junge iranische Oudspielerin Yasamin Shahhosseini (Oud) und der legendäre iranische Kamanche-Virtuose Kayhan Kalhor erstmals die Bühne.

In seinem Projekt „I EXIST“ begibt sich am Donnerstag, 16. Juni, der Komponist, Gitarrist und transkulturelle Aktivist Marc Sinan auf eine musikalische Reise zu den mythischen Ursprüngen des Roma-Volkes im nordindischen Rajasthan. Gemeinsam mit MusikerInnen und KünstlerInnen aus Europa und Indien erkundet er die in uralten Erzählungen beschriebene Herkunft und überquert dabei mit Leichtigkeit stilistische Grenzen. Für die Avantgarde-Musikerin Iva Bittová und das Künstlerduo Damian & Delaine Le Bas bedeutet die Begegnung mit diesem Ursprung auch eine Bewegung zurück zu einem Teil ihrer Herkunft.

Zum fulminanten Abschluss des Programms lädt das Morgenland Festival Osnabrück am Samstag, 18. Juni, zum Open Air auf den Domvorplatz ein. Aufgeführt wird ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Theater Osnabrück entwickelt wurde: „Young Syrian Generation“ präsentiert fünf junge syrische KomponistInnen im Zusammenspiel mit dem Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von Daniel Inbal. Naīssam Jalal (Flöte und Gesang), Angela Boutros (Klavier), Mevan Younes (Buzuq), Mohannad Nasser (Oud) und Basilius Alawad (Violoncello) wirken dabei auch als SolistInnen mit.

Das marokkanisch-französische Quartett Bab L’Bluz („Das Tor zum Blues“) sorgt in der Weltmusikszene für viel Aufruhr und landete prompt auf Platz eins der Transglobal Music Charts. Am späten Abend des 18. Juni wird die Band das Festival mit einem Auftritt in der Osnabrücker Lagerhalle beschließen.

Tickets und Infos zum Programm sind ab sofort über www.morgenland-festival.com erhältlich. Karten gibt es außerdem bei der Osnabrücker Tourist-Information, unter www.adticket.de und bei anderen bekannten Vorverkaufsstellen.

PM/Morgenland Festival

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