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Von Papst bis Popstar – das Goldene Buch der Stadt Osnabrück

Im türkisfarbenen Chiffonkleid erscheint „Queen Mum“ Königinmutter Elizabeth am 15. Juli 1965 vor dem Rathaus. | Foto: Walter Fricke, via Stadt Osnabrück

Die Ausstellung „Von Papst bis Popstar – das Goldene Buch der Stadt Osnabrück“ im Obergeschoss des historischen Rathauses erinnert an besondere Gäste und ihre Erlebnisse in der Friedensstadt.
„Für den Gast ist es eine Ehre, sich eintragen zu dürfen. Aber auch die Stadt fühlt sich geehrt, wenn jemand seinen Namen in das Buch schreibt, der sich durch besondere Verdienste auszeichnet“, betonte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bei der Ausstellungseröffnung.
„Die Idee zu dieser Ausstellung hatte meine Kollegin Janin Arntzen, Grafikdesignerin im Referat für Medien und Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt Dr. Sven Jürgensen. „Sie hat die 21 Ausstellungstafeln gestaltet. Die umfangreichen Recherchen in Archiven wie auch die redaktionelle Aufbereitung hat Silke Brickwedde übernommen.“ Die Fotos kommen aus dem eigenen Bestand der Stadt Osnabrück, aus privater Hand und aus dem Archiv der Neuen Osnabrücker Zeitung, die auch bei der Recherche ein wertvoller Partner war.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, Silke Brickwedde, Janin Arntzen und Pressesprecher Dr. Sven Jürgensen im Obergeschoss des historischen Rathauses bei der Ausstellung „Von Papst bis Popstar – das Goldene Buch der Stadt Osnabrück“. | Foto: Stadt Osnabrück, Gerhard Meyering


Bundespräsidenten, Monarchen und Fußball-Legenden: Auf den Seiten der beiden Goldenen Bücher stehen berühmte Namen: zum Beispiel Papst Johannes Paul II., Königin Silvia von Schweden, Queen Mum, der Dalai Lama, Prinz Charles, Franz Beckenbauer und Robin Schulz, der DJ aus Osnabrück.  „Die Stadt Osnabrück ist stolz auf ihre beiden Goldenen Bücher“, sagte Griesert „Sie sind kostbare Zeitzeugen und – wenn man so will – Gästebuch und Autogrammsammlung zugleich.“
Mancher Gast hat bleibenden Eindruck hinterlassen: Wie Papst Johannes Paul II., der sich vor dem Hauptportal des Domes eintrug und dabei fast vom Winde verweht wurde. Nur für ihn hat das Goldene Buch das Rathaus verlassen. Vielen unvergesslich bleibt auch der Besuch des Dalai Lama, der mit seinem Lächeln die Osnabrücker bezauberte.
Was nach der Abreise des Gastes bleibt, sind die Unterschrift, ein paar Fotos – und die Erinnerung daran, was während des Besuchs passiert ist. Die Ausstellung zeigt Fotos von ausgewählten Gästen und erzählt was vor – und manchmal auch hinter – den Kulissen geschehen ist.
Großes Aufsehen erregte der kurzfristig angesetzte  Besuch der schwedischen Königin Silvia. Sie war die erste Prominente, die 1997 im neu angeschafften Goldenen Buch unterschrieb. „Ich habe damals als Journalist über diesen Besuch berichtet“, erinnert sich Dr. Sven Jürgensen, Pressesprecher der Stadt „und durfte ein Interview mit ihr in einer Ausstellung über Königin Christina aufnehmen, zu deren Eröffnung sie in die Friedensstadt gekommen war.“ Kaum ein Jahr später kehrte sie zum Jahrhundertereignis „350 Jahre Westfälischer Frieden“ zurück, als die Monarchen im Minutentakt vor dem Rathaus eintrafen – und sich natürlich auch im Goldenen Buch eintrugen. Auf zwei Seiten reihen sich die Unterschriften von 20 Mitgliedern des europäischen Hochadels und  Staatsoberhäuptern aneinander.

Königin Silvia von Schweden unterschreibt am 23. November 1997 als erste Prominente im zweiten Goldenen Buch der Stadt Osnabrück. Ihre Begleitung war der schwedische Bildungsminister Carl Tham (Mitte). Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip steht an ihrer Seite. | Foto: Fritz Schwarzenberger, via Stadt Osnabrück


Viele hochrangige Persönlichkeiten nahmen den Füller im Friedenssaal in die Hand und beugten sich über die Seiten aus kostbarem Bütten. Wenn sie – mal mehr, mal weniger leserlich – die Buchstaben in blauer Tinte auf das Blatt schreiben – schaut ihnen dabei oft der Oberbürgermeister über die Schulter und ein Fotograf hält den Moment fest.
Im Goldenen Buch der Stadt Osnabrück stehen Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Bundesminister, Ministerpräsidenten aber auch Politiker, Botschafter und geistliche Würdenträger aus aller Welt. Könige und Königinnen trugen sich ebenso im Goldenen Buch ein wie Künstler, Literaten, Philosophen und Sportler. Die Seiten sind noch lange nicht alle gefüllt, es bleibt spannend.
Hintergrund:

  • Der Verwaltungssauschuss schlägt die Persönlichkeiten vor, aber auch der Oberbürgermeister entscheidet im Einzelfall, wer um seine Unterschrift gebeten wird.
  • Jeder darf sich nur einmal eintragen – es sei denn, die Person hat eine neue Funktion inne oder kommt zu einem besonderen Ereignis. Angela Merkel hat zum Beispiel dreimal unterschrieben: 1991 war sie als Ministerin für Frauen und Jugend zu Gast in Osnabrück, dann 2006 als Kanzlerin und 2008 als Kanzlerin und Rednerin beim viel beachteten Katholikentag.
  • Auf jeder Seite ist viel Platz für die Unterschrift. Kurz bevor der Gast sich einträgt, schreibt der Kalligraph Jürgen Holzklau Namen und Funktion in Schönschrift auf das Bütten. So spät wie möglich, damit schlimmstenfalls keine Seite entfernt werden muss, falls doch jemand  kurzfristig absagt.
  • Das erste Goldene Buch der Stadt Osnabrück ist der Stadt am 1. Januar 1900 von Senator Haarmann geschenkt worden. Es lag fast 100 Jahre aus, von 1900 bis 1997.
  • Das erste Buch enthält auch eine Bilanz der Opfer und eine Chronik der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Selbst die Unterschriften von Heinrich Himmler und Roland Freisler sind nach dem Ende des nationalsozialistischen Terrors nicht entfernt worden. Sie sollen an die zwölf Jahre dauernde Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus mahnen. Bei der Wiedereröffnung des Goldenen Buches 1948 verurteilen die in erster freier Wahl nach dem Krieg gewählten Ratsmitglieder die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus und ermahnen die Osnabrücker Bürger dazu, sich nie wieder einer Diktatur zu beugen.
  • 20 Kilogramm wiegen die Seiten des zweiten  Goldenen Buches mitsamt des schweren Einbands aus dunkelrotem Hirschkalbleder und vergoldeten Beschlägen – ein Werk und Geschenk des Gold- und Silberschmiedemeisters Wolfgang Grändorf und des Buchbinders Günter Thomas.

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