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Zoo Osnabrück: Virtuell auf Tuchfühlung mit Nashorn und Co.


Osnabrück. Psychologiestudenten der Universität Osnabrück drehen im Zoo Osnabrück zurzeit Virtual Reality Filme für die psychologische Forschung. Bei dem Langzeitprojekt soll untersucht werden, wie die Erlebnisse in virtuellen Realitäten emotional von Menschen verarbeitet werden. 
Forschung im Zoo ist üblich – darunter versteht sich aber zumeist Verhaltensforschung in Form von Tierbeobachtungen durch Studenten der Biologie. Doch seit einigen Wochen sind immer wieder Studenten mit besonderer Kameratechnik im Zoo anzutreffen: die Forschungsgruppe „Allgemeine Psychologie I” der Universität Osnabrück. „Wir forschen im Bereich der VR, also virtuellen Realität“, erklärt Benjamin Schöne. Er betreut als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Osnabrück das Projekt, an dem 13 Bachelor- und eine Masterstudentin arbeiten. „Uns interessiert, wie Menschen Emotionen in der virtuellen Welt im Vergleich zu den in der Forschung sonst üblichen Laborbedingungen verarbeiten“, berichtet er weiter. Üblich sei es, Fotos oder Videos einfach auf einem Monitor zu präsentieren und dann die Reaktion der Probanden darauf zu messen. Diese bewerten außerdem die Aufnahmen hinsichtlich ihrer Emotionalität: Sie werden danach gefragt, was sie beim Betrachten empfinden. Zusätzlich werden objektive Maße wie Herzschlag, Hautleitfähigkeit und Hinströme gemessen. „Erlebnisse in VR fühlen sich aber so an, als wäre man tatsächlich vor Ort, das ist der entscheidende Unterschied zu den üblichen Laborbedingungen. Diesen Unterschied wollen wir genauer untersuchen“, so Schöne weiter, „denn so können wir erstmals unter kontrollierten Bedingungen realitätsnah vielfältige emotionale Prozesse untersuchen.“ Die erhobenen Daten werden in einem wissenschaftlichen Fachmagazin veröffentlicht und später in Form einer Datenbank anderen Wissenschaftlern für weitere Forschungen zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist langfristig über mehrere Jahre angelegt.

Emotionen durch Nashorn und Pinguin

Um möglichst starke und unterschiedliche Emotionen zu wecken, drehten die Studenten bislang in der Notaufnahme, beim  Uni-Ball, in einem U-Boot, machten Stadt- und Hotelaufnahmen oder filmten Cabriofahrten. „Wir erfahren viel Unterstützung durch Kooperationspartner und unsere Studenten sind sehr engagiert. Sie lassen sich viele tolle Szenen einfallen: Sie stellen Entführungen nach, erkunden verlassene Bunker oder stellen die Kamera in ein Feuerwehrfahrzeug. Vor allem Tiere, besonders große oder gefährliche, aber auch niedliche und beliebte Tiere wecken viele Emotionen. Daher dürfen sie in unserer Datenbank nicht fehlen und wir freuen uns, dass wir die Möglichkeit haben im Zoo zu drehen“, berichtet Benjamin Schöne. Für die Aufnahmen arbeiten die Studenten eng mit den Biologen des Zoos zusammen, die die meisten Drehs auch begleiten. Der Dreh sei insgesamt eine besondere Herausforderung, erklärt Schöne: „Die Kamera ist etwas so groß wie ein Handball und ebenso rund. Rundherum sind insgesamt sechs Kameralinsen, die dreidimensional in 360 Grad in einer Auflösung von 4K aufnehmen. Wir haben verschiedene Stative und die Kamera muss immer in 1,63 Metern Höhe stehen oder hängen – denn das ist die europäische Durchschnitts-Augenhöhe.“ Später werden die teilnehmenden Probanden die Aufnahmen über eine VR-Brille betrachten. Dadurch bekommen sie den Eindruck, sich in einer realen Szene zu befinden – wenn sie sich bewegen, verändert sich das Bild mit.
„Bislang konnten wir schon in der Mendoza-Halle, bei den Tapiren, Erdmännchen und Pinguinen drehen. Mein persönliches Highlight waren die Nashörner und Zebras – vielleicht auch, weil ich da aus Angst um die teure Kamera ganz schön gezittert habe. Die Nashörner sind sehr nah an die Kamera gekommen und die Aufnahmen sind wirklich toll geworden. Man hat das Gefühl, man müsse nur die Hand auszustrecken, um die Nashörner zu streicheln“, freut sich Schöne. „Wir sind schon ganz gespannt auf die Reaktionen der Probanden. Erste Testvorführungen liefern eindrucksvolle Ergebnisse, ab Mai beginnen umfangreiche Versuche.“

Begleitung durch Biologen

Die Drehs werden zumeist von den wissenschaftlichen Kuratoren des Zoos Tobias Klumpe und Andreas Wulftange begleitet. „Wir müssen immer genau schauen, bei welchen Tieren Aufnahmen möglich sind und wie diese auf die Kamera und die Geräusche, die diese macht, reagieren“, erklärt Klumpe. „Aber wir unterstützen den Dreh gerne, denn Forschung ist eine der Kernaufgaben von Zoos, die wir sehr ernst nehmen. Und zudem ist es spannend, auch andere Bereiche außerhalb der Biologie bei der Forschung zu begleiten.“ Auch aus diesem Bereich sind in diesem Jahr wieder Bachelorstudenten verschiedener Universitäten im Osnabrücker Zoo unterwegs, um Verhaltensbeobachtungen durchzuführen. „Die Studenten beobachten unter anderem das Familienleben der Vielfraße, die Paarbindung der Polarfüchse und bei vielen weiteren Tieren die Sozialstrukturen, Jungtieraufzucht oder auch Raumnutzung. Für die Studenten ist es toll, durch Beobachtung zu forschen und wir profitieren von den Ergebnissen, schließlich helfen sie uns, die Haltungsbedingungen weiter zu optimieren“, so Wulftange.

Ausgewählte Aufnahmen der Forschungsgruppe um Benjamin Schöne sind ab dem 20. April auf der Homepage des Zoos www.zoo-osnabrueck.de zu sehen.

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