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Zoo Osnabrück: Schimpansengruppe wird vergrößert

Schimpansenweibchen Vakanga führt derzeit die Schimpansengruppe an. Foto: Zoo Osnabrück

Osnabrück. Nach Unruhen und Auseinandersetzungen in der Osnabrücker Schimpansengruppe sollen zwei neue männliche Artvertreter die Gruppe stabilisieren. Der notwendige Schritt ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung.

„Bis 2018 lebte eine harmonische Schimpansengruppe bei uns am Schölerberg. Die Hierarchien waren klar und es gab keine Probleme“, berichtet Tobias Klumpe, Zoologische Leitung. „Allerdings kam es ab 2018 zu Unruhe in der Gruppe, denn Männchen Tatu war hin- und hergerissen zwischen seiner Pflegemutter Lady, die in der Hierarchie der Weibchen am höchsten stand und dem für ihn sexuell attraktivsten Weibchen Vakanga, das Lady den Rang streitig machen wollte.“ Die laut Weltnaturschutzorganisation IUCN vom Aussterben bedrohten Westafrikanischen Schimpansen leben in sozial komplexen Gruppen mit einer strengen Rangordnung innerhalb der Männchen, einer innerhalb der Weibchen und einer gesamten Hierarchie, die in der Regel vom ranghöchsten Männchen angeführt wird. „Tatu konnte nicht mit dem Konflikt zwischen Lady und Vakanga umgehen und wusste nicht, wie er ihn lösen kann. Daher war eine Veränderung notwendig. Wir standen immer in engem Kontakt mit dem Koordinator des Erhaltungszuchtprogramms, um zu klären, wie diese Änderung aussehen kann“, so der Biologe weiter. „Um die ‚Karten neu zu mischen‘ und den Machtkampf zwischen Lady und Vakanga möglicherweise abzuschwächen, kamen zwei neue Weibchen zu uns in den Zoo“, erklärt er. Da Schimpansen charaktergeprägte Individuen sind, war jedoch nicht komplett vorhersehbar, wie jeder einzelne auf die neue Situation reagiert. So konnten auch die beiden neuen Weibchen den Konflikt zwischen Lady und Vakanga nicht auflösen. Beide haben sich aber gut in die Gruppe integriert. „Da Tatu einfach völlig überfordert war mit der Situation und eine gefestigte Sozialstruktur für Schimpansen sehr wichtig ist, fiel die Entscheidung Tatu abzugeben und dafür zwei neue Männchen an den Schölerberg zu holen“, so Klumpe. Die Überlegungen zu einem Wechsel der Individuen sind immer langwierig und der Biologe war über Jahre in engem Austausch mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtsprogramms, dem Co-Koordinator, dem Chimpanzees Introduction Advisior sowie den Behörden. „Unsere Prämisse liegt darin, möglichst naturnahe und intakte Sozialverbände zu halten. Diese Sozialverbände werden bei Schimpansen durch eine stabile Männchen-Linie sowie eine klare Hierarchie auch innerhalb der Weibchen gebildet. So planten wir den Wechsel bei den Männchen. Wir sind uns der Herausforderung bewusst – die Integration von Menschenaffen ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Tiergartenbiologie, ist aber in diesem Fall unumgänglich“, beschreibt Tobias Klumpe die bevorstehende Situation.

Schimpansenweibchen Vakanga führt derzeit die Schimpansengruppe an. Foto: Zoo Osnabrück

Taut verließ im vergangenen Jahr den Schölerberg. Dem Zoo Osnabrück wurden kurz nach Tatus Weggang zwei neue Männchen in Aussicht gestellt, der Transfer wurde jedoch kurzfristig abgesagt. Deshalb ist die Schimpansengruppe seit Oktober 2019 ohne erwachsenes Männchen. „Mit dem 6jährigen Helmut und dem knapp ein Jahr alten Mshangao sind derzeit zwei junge Männchen in der Gruppe der Westafrikanischen Schimpansen, die ohne erwachsene Männchen nicht angemessen sozialisiert würden“, erklärt die Zoologische Leitung die Situation. „Außerdem zeigt sich, dass der sonst übliche Zusammenhalt der Gruppe fehlt. Wir freuen uns, dass nun zwei Männchen gefunden wurden, die charakterlich gut in die Gruppe passen. Wir hoffen, dass sie sich mit ihren Artgenossen gut verstehen. Das weiß man vorher nie – wie beim Menschen gibt es bei ihnen Sympathien und Antipathien, die man vorher nicht absehen oder ausschließen kann.“ Zwischen den Weibchen sei die Situation aktuell etwas entspannter, seit Weibchen Lady im November 2019 an Altersschwäche verstarb. Vakanga habe Ladys Rolle in der Gruppe übernommen, die ihr derzeit auch kein anderes Weibchen streitig machen will. Die Zusammenführung von Schimpansen ist ein komplexer Prozess, der meist mit physischen Auseinandersetzungen der Tiere einhergeht. „Schimpansen sind generell sehr rabiate Tiere, die Konflikte oft mit körperlicher Gewalt lösen – in der Wildbahn wie in menschlicher Obhut. Für uns sind augenscheinliche Verletzungen ein ungewohntes Bild, für Schimpansen aber nicht ungewöhnlich. Die Ankunft von neuen Männchen ist unumgänglich, um wieder eine natürliche Sozialstruktur in die Gruppe zu bringen“, so Klumpe.

Im Zoo Osnabrück leben derzeit die Westafrikanischen Schimpansen Vakanga (25 J.), Tisa (17 J.), Vanessa (37 J.), Tamika (6 J.), Helmut (6 J.) und Mshangao (11 Monate).

Wissenswertes zu Westafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes verus)

Schimpansen sind die nächsten lebenden Verwandten des Menschen. Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 64 bis 94 Zentimetern, aufrechtstehend 1 bis 1,70 Metern. Die Arme von Schimpansen sind länger als ihre Beine. Westafrikanische Schimpansen ernähren sich viel durch Früchte und Blätter, sie knacken sogar Nüsse. Aber sie jagen auch Säugetiere bis hin zu kleinen Antilopen oder anderen Affen gemeinschaftlich mit viel List.

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