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Oberbürgermeister Wolfgang Griesert besucht die jüdische Gemeinde Osnabrück

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (rechts) und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Osnabrück, Michael Grünberg, haben sich über den Neustart des religiösen Lebens in der jüdischen Gemeinde unterhalten. Foto: Stadt Osnabrück, Christine Grewe

Osnabrück. Matze, so nennt sich das ungesäuerte Brot, das gläubige Juden während des achttägigen Pessach-Festes essen. Das Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, die dort 400 Jahre versklavt waren. Gemäß der Überlieferung aus der Tora, der hebräischen Bibel, blieb den Frauen damals keine Zeit den Brotteig vor dem Backen gehen zu lassen, so dass die Israeliten ungesäuertes Brot als Wegzehrung mitnehmen mussten. Dieses Detail über die religiösen Riten während Pessach, das in diesem Jahr zeitgleich zum christlichen Osterfest gefeiert wurde, erfuhr Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bei seinem Besuch in der jüdischen Gemeinde Osnabrück am 6. Mai.
„In den vergangenen Wochen wurde häufig über die Einschränkungen in den christlichen Kirchen oder auch Moscheen berichtet. Nun wollte ich mich erkundigen, wie es der jüdischen Gemeinde Osnabrück geht“, erläutert Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Anlass seines Besuches. Auch hier wurde das Gemeindeleben aufgrund der Bestimmungen zur Einschränkung der Corona-Pandemie stark beeinträchtigt. „Aber wir wussten uns zu helfen“, wie der Vorsitzende Michael Grünberg berichtet. „So haben wir unseren Gemeindemitgliedern zu Pessach das Matze-Brot nach Hause gebracht, denn die Gemeinde hat viele ältere Mitglieder, die in den letzten Wochen ihre Wohnungen soweit möglich nicht verlassen haben.“ Für ältere Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung wurde ein Fahrservice angeboten, so dass sie keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen mussten.
Mit der Lockerung der Bestimmungen kann nun aber auch in der jüdischen Gemeinde das religiöse Leben, wenn auch noch eingeschränkt, wieder starten. So wird in der Gemeinde am kommenden Samstag, dem Sabbat, erstmals wieder seit sieben Wochen ein Gottesdienst gefeiert. Die Gemeinde ist jetzt schon vorbereitet. Abgesperrte Gebetsbänke sorgen dafür, dass die erforderlichen Abstände unter den Gläubigen eingehalten werden können. Nur in einem Haushalt lebende Familien, getrennt nach Männern und Frauen, dürfen sich eine Gebetsbank teilen. Die Freude, dass man nun allmählich wieder zum Gewohnten zurückkehren kann, ist Michael Grünberg anzumerken. „Trotzdem, wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden alle Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen.“ Am Ende seines Besuches lobt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert noch einmal ausdrücklich die gute interreligiöse Zusammenarbeit in der Stadt. „Als sich die muslimischen Gemeinden mit ihrem Ansinnen an die Stadt wandten, den islamischen Gebetsruf aufgrund der Corona-Beschränkungen öffentlich auszurufen, war mir insbesondere wichtig, wie der Runde Tisch der Religionen Osnabrück und jüdische Gemeinde hierzu stehen.“ Die positive Zustimmung beider habe zum wiederholten Male deutlich gemacht, dass es in der Friedensstadt ein gutes und offenes Miteinander der Religionen gibt, das von Toleranz und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

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