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„Wasserschaden im Kulturgeschichtlichen Museum“ – Osnabrücker Notfallverbund übt den Ernstfall

Teilnehmer*innen der Übung des Osnabrücker Notfallverbundes im Priesterseminar. Foto: Notfallverbund Osnabrück

Osnabrück. Acht Osnabrücker Museen, Archive und Bibliotheken sowie die Berufsfeuerwehr haben sich im Juni vergangenen Jahres zum „Notfallverbund Osnabrück“ zusammengeschlossen. Die Kultureinrichtungen verpflichten sich darin zu gegenseitiger Unterstützung in einem Notfall (wie Brand, Hochwasser) und bei allen Fragen der Notfallprävention. Bei einer ersten gemeinsamen Fortbildung am 29. Oktober im Osnabrücker Priesterseminar wurde die Zusammenarbeit auf Herz und Nieren geprüft.
20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Notfallverbundes übten unter Anleitung von Karin von Lerber (Prevart GmbH, Winterthur), Textilrestauratorin aus der Schweiz und anerkannte Expertin im Notfallmanagement, wie sie im Falle eines Wassereinbruches oder Brandes beschädigte Archivalien, Gemälde, Möbelstücke oder Bücher in Sicherheit bringen.
Zunächst erhielten die Mitglieder des Notfallverbundes einen Eindruck vom Verhalten der Materialien nach einem Schadensfall. Karin von Lerber vermittelte dafür die Grundlagen: Wie berge ich ein nasses, gerahmtes Gemälde? Was passiert mit einem Foto oder einer Holztruhe, wenn es oder sie im Schlamm gelegen hat? Sollten Rußspuren bei der Bergung beseitigt werden? Ein sachgerechter Umgang mit den beschädigten Stücken ist bei der Bergung entscheidend, um weitere Schäden am Objekt zu vermeiden. Im Anschluss wurden dann die Abfolge von Prozessen und die Organisation einer Bergung in der Theorie besprochen.
Am Nachmittag dann der „Ernstfall“: Karin von Lerber konfrontierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Form eines Rollenspiels mit der Katastrophen-Meldung, dass das Magazin des Kulturgeschichtlichen Museums unter Wasser stehe. Nun galt es, innerhalb kurzer Zeit die Objekte aus dem Depot zu bergen und für den Abtransport vorzubereiten. Dabei mussten eine Leitungsstruktur entwickelt, verschiedene Bergungsstationen aufgebaut, Material beschafft und Helfer systematisch eingesetzt werden.
In einem ersten Schritt haben einige Teilnehmer die Gegenstände in den Räumen gesichtet, andere evakuierten sie anschließend. In einem nächsten Schritt begutachtete eine Gruppe die Schäden an den Kulturgütern, die dann an weiteren Stationen – je nach Material und Zustand – weiter versorgt wurden.
Die zu bergenden Exponate hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihren Einrichtungen selbst mitgebracht. Bei diesen handelte es sich natürlich nicht um schützenswerte Objekte, sondern um Doppelstücke. Allerdings spiegeln sie in ihrer Materialität die ganze Breite der Überlieferung der Osnabrücker Kulturguteinrichtungen wieder, darunter Bücher, Urkunden und alte Akten, Fotos und Glasplatten, Schallplatten und Fotoapparate, Tierpräparate, Knochen und Keramikfragmente, Objekte aus Sandstein ebenso wie VHS- und Audio-Kassetten sowie digitale Datenträger.
Im Falle einer Havarie ist es wichtig, nicht nur schnell, sondern vor allen Dingen strukturiert vorzugehen, um die Ordnung der Sammlung zu bewahren und die Anforderungen des beschädigten Materials zu berücksichtigen. Denn, so von Lerber, „die Wahl und Ausführung der Bergungsmaßnahmen orientiert sich immer am Ziel der betroffenen Institution, ihre Aufgaben möglichst schnell wieder wahrnehmen zu können. Dies bedeutet, dass Objekte korrekt gehandhabt, möglichst schadensfrei getrocknet und stabilisiert werden müssen, so dass Ordnungssysteme und Informationen während der Bergungsarbeit nach Möglichkeit nicht verloren gehen.“

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