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Delegation von HelpAge Moldawien besucht städtisches Seniorenbüro

Foto: Mechthild Schröder, via Stadt Osnabrück

Osnabrück. Macht es Sinn, wenn Vertreterinnen eines der reichsten und eines der ärmsten Länder Europas gemeinsam über soziale Probleme diskutieren? Die Teilnehmerinnen kamen zu dem Ergebnis: ja! Beide Länder stehen im Hinblick auf ältere Menschen vor vergleichbaren Problemstellungen und haben vergleichbare Lösungsansätze entwickelt.
Genau wie in Deutschland steigt auch in Moldawien der Anteil der über 60-jährigen Bevölkerung. Bis 2050 wird er in beiden Ländern etwa 35 Prozent ausmachen. Und auch in Moldawien müssen viele ältere Menschen ohne Unterstützung der mittleren Generation auskommen. In Deutschland ist das so, weil die Kinder für einen Arbeitsplatz in andere Städte ziehen, in Moldawien hat mehr als ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung das Land verlassen, weil es keine Perspektive gibt. Ältere übernehmen dann oft noch Verantwortung für zurückgelassene Enkelkinder. Zudem sind in beiden Ländern Ältere – insbesondere ältere Frauen – besonders von Armut betroffen, in Moldawien allerdings auf viel geringerem Niveau als in Deutschland. Ihr Einkommen liegt im Durchschnitt nur bei 70 Prozent des nationalen Existenzminimums von 73 Euro im Monat.
„In beiden Ländern müssen wir uns Gedanken über die Unterstützung und Versorgung der älteren Bevölkerung machen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.“ erläutern Anette Herlitzius und Katharina Oelke vom städtischen Seniorenbüro. Sie haben die moldawische Delegation eingeladen, um über die kommunale Seniorenarbeit zu informieren. Die Arbeit des Seniorenbüros beruht auf drei Säulen: Der Senioren- und Pflegestützpunkt berät zu allen Fragen rund ums „Älterwerden“. Er gibt Auskunft über wohnortnahe Gesundheits-, Unterstützungs-, Kultur- und Freizeitangebote, demnächst auch über Leistungen der Pflegeversicherung. Das Seniorenbüro berät außerdem bei der altersgerechten Gestaltung der Stadtteile und stärkt den Aufbau nachbarschaftlicher Netzwerke. Die dritte Säule bildet die Förderung von Ehrenamtsprojekten zur Unterstützung von Älteren wie etwa die Seniorenbegleitung, das Einkaufstaxi, die ehrenamtliche Wohnberatung oder den Handwerkerdienst. Wichtiges Arbeitsprinzip ist hierbei, dass sich gesundheitlich fitte „Jungsenioren“ für die Belange der „Hochbetagten“ engagieren und dafür ihre Zeit und ihre Fähigkeiten einsetzen.
„Wir können voneinander lernen“ resümiert Mechthild Schröder von HelpAge Deutschland e. V., die die Informationsreise der moldawischen Partnerorganisationen organisiert und den Fachaustausch der neun Frauen begleitet. Das dreijährige Projekt trägt den Titel „Förderung der Menschenrechte älterer Menschen und Frauen in Moldawien“ und wird vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit finanziert. Ziel ist es, Anlaufstellen für Hilfs- und Beratungsangebote aufzubauen und durch Aufklärungskampagnen auf das Thema Diskriminierung älterer Menschen aufmerksam zu machen, um ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage sind Ältere in Moldawien besonders häufig von Gewalt durch Familienangehörige, aber auch durch Behördenvertreter und medizinisches Personal betroffen.
Auch der moldawische Ansatz setzt auf ehrenamtliche Hilfenetzwerke in den Städten und Dörfern. So gibt es Angebote zur Unterstützung im Haushalt, Seniorenbesuchsdienste und Einkaufshilfen, aber auch durch Ehrenamtliche geschaffene Treffpunkte, die Begegnung und Austausch ermöglichen. Auch in Moldawien gilt: nur, wenn gute Kontakte entstehen, sind die betroffenen Menschen bereit, sich zu öffnen, über ihre Sorgen und Nöte zu berichten und Hilfe anzunehmen. Einsamkeit im Alter ist in beiden Ländern ein großes Thema.
Am Ende waren sich alle Teilnehmerinnen einig: „Auch wenn wir in unseren Ländern so unterschiedliche Ausgangsbedingungen haben, ist es lohnend, gemeinsam über Lösungsstrategien nachzudenken.“ Neben ehrenamtlichen Angeboten muss es aber auch professionelle Strukturen geben, um den demographischen Wandel zu gestalten. Die Gäste verabschiedeten sich mit einem herzlichen „multumesc si la revedere!“

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