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Corona-Pandemie als Treiber für Gewalt an Frauen und Mädchen

Themenbild: Pixabay

Osnabrück. Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November beteiligt sich die Polizeidirektion Osnabrück mit diversen Aktionen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Einige Aktionen von Teutoburger Wald bis zur Küste Ostfrieslands im Überblick: In Lingen wird am 25. November um 9 Uhr traditionell die Fahne vor dem Rathaus gehisst. Zudem bietet die Fotoausstellung „Lingen gegen Gewalt“ am Campus der Hochschule Möglichkeiten zum Austausch. Das Netzwerk Rheiderland hat Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ an die Bäckereien des Rheiderlandes verteilt, damit diese an die Bürgerinnen und Bürger verteilt werden. In Aurich und Leer finden Mahnwachen statt. In Osnabrück wird unter dem Motto „Gewalt ist untragbar! NEIN zu häuslicher Gewalt!“ Stofftaschen mit dem Aufdruck verteilt zusammen mit Postkarten, die mit Nummern von Beratungsstellen bedruckt sind.

Der Deliktsbereich Häusliche Gewalt nahm im Jahr 2020 deutlich um 11,84 % zu – von 3.294 auf 3.684 Taten. 2381 Opfer davon waren weiblich. 2019 waren es 2.108 Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren. Für dieses Jahr deuten die Zahlen auf ein ähnliches Niveau hin.


Eine Ursache für die Zunahme der Taten dürfte auch die Corona-Pandemie sein, in der zunehmend Konflikte innerhalb der eigenen vier Wände entstanden und ausgetragen wurden.

Polizeipräsident Michael Maßmann äußerte sich zu dem Phänomen der Häuslichen Gewalt wie folgt: „Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Pandemie hat offensichtlich auch zu vermehrten interfamiliären Konflikten bis hin zu gewalttätigen Eskalationen geführt. Viele Fälle werden leider nicht zur Anzeige gebracht und bleiben hinter verschlossenen Türen verborgen. Das muss sich ändern. Wir sind mit unseren regionalen Netzwerkpartnern seit Jahren sehr aktiv, denn nur über intensive Präventionsarbeit kann es gelingen, häusliche Gewalt aus der Anonymität herauszuholen.“

Häusliche Gewalt umfasst alle Formen physischer, sexueller und/oder psychischer Gewalt zwischen Personen in zumeist häusliche Gemeinschaft. Die Formen davon reichen von subtilen Handlungen über Demütigungen, Beleidigungen, Einschüchterungen, Bedrohungen sowie psychischen, physischen und sexuellen Misshandlungen bis hin zu versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten. Betroffen sind alle Bildungs- und Einkommensschichten. Häusliche Gewalt existiert in allen Altersgruppen, Nationalitäten, Religionen, Kulturen. Auch Kinder sind davon betroffen, wenn sie Gewalt in der Familie beobachten oder erfahren. Diese Kinder neigen eher dazu, später selbst gewalttätig oder Opfer von Partnergewalt zu werden. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden.

Wenn Gewalt angewendet wurde, kann die Polizei den Täter oder die Täterin der Wohnung für mehrere Tage verweisen, wenn die Gefahr weitere Übergriffe besteht. Versucht der Täter oder die Täterin trotzdem in die Wohnung zu kommen, sollte sofort die Polizei informiert werden. Mit dem Gewaltschutzgesetz wurden die Schutzmöglichkeiten der Opfer von häuslicher Gewalt deutlich gestärkt. In jedem Fall ist es ratsam professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen für den Weg aus der Gewalt. Ansprechpartner sind neben der Polizei, die in einer akuten Notlage über die 110 informiert werden sollte, Frauenberatungsstellen sowie Interventionsstellen. Innerhalb der Polizei bieten zudem Opferschutzbeauftragte Hilfe und vermitteln Kontakte. Weiterhin bietet das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Rufnummer 08000116016 täglich anonym und kostenlos Beratung, auch in vielen Sprachen mit Unterstützung von Dolmetscherinnen.

Für Kinder bietet das Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ unter der Rufnummer 08001110333 ebenfalls kostenlos und anonym Hilfe von Montag bis Samstag 14 bis 20 Uhr.

Mitunter rufen Opfer nicht direkt die Polizei. Oft entscheiden sich Frauen erst Wochen später zu einer Anzeige. Noch unsichere Betroffene sollten trotzdem Spuren und Verletzungen dokumentieren lassen. Das Netzwerk ProBeweis ist in Niedersachsen eine medizinische Anlaufstelle zur professionellen Dokumentation und Sicherung von Spuren unter anderem im Kontext von häuslicher Gewalt. Die Untersuchung und gerichtsverwertbare Dokumentation ist kostenlos und findet unter Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht statt. Auch kleinste Verletzungen wie Kratzer oder blaue Flecken sind wichtige Befunde, die dokumentiert werden sollten. Die Betroffenen haben so auch nach Jahren noch die Möglichkeit, die Taten ohne Verlust der Beweiskraft zur Anzeige zu bringen.

PM/Polizei Osnabrück

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