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Lobo und Lome: Neue Schimpansenmännchen im Zoo Osnabrück

Die Schimpansenmännchen Lome und Lobo (v.l.) haben sich gut in die Schimpansengruppe im Zoo Osnabrück integriert. Foto: Zoo Osnabrück (Marilena Koch)

Osnabrück. Männliche Unterstützung für die Osnabrücker Schimpansen: Die beiden Männchen Lobo und Lome zogen vor Kurzem aus dem Zoo Leipzig an den Schölerberg. Die Integration der beiden Männchen in die Gruppe ist für das komplexe Sozialgefüge der Menschenaffen notwendig. Die Brüder Lobo und Lome haben sich bereits gut in die Gruppe eingefügt.
Zwei neue Westafrikanische Schimpansen leben seit kurzer Zeit im Zoo Osnabrück: Lobo und Lome. Die beiden Männchen leben nun mit den fünf Osnabrücker Weibchen und ihren drei Jungtieren in der Afrika-Tierwelt „Takamanda“ zusammen. „Besucher erkennen die beiden in der Gruppe ganz gut: Lobo und Lome sind sogar für Schimpansenmännchen sehr groß und stämmig. Mit ihren 16 und 19 Jahren haben sie ihre volle Geschlechtsreife erreicht. Man erkennt sie auch gut an den weißen Barthaaren“, berichtet Wolfgang Festl, Tierpfleger und Revierleiter von „Takamanda“. Lobo und Lome kamen aus dem Zoo Leipzig an den Schölerberg, um Ruhe in das komplexe, aber ungefestigte Sozialgefüge der Westafrikanischen Schimpansen in Osnabrück zu bringen. Generell existiert bei Schimpansen sowohl jeweils eine Hierarchie unter den Männchen und den Weibchen als auch eine unter der gesamten Gruppe, daher mussten die Tierpfleger und Biologen sehr viel Fingerspitzengefühl bei der Zusammengewöhnung zeigen. „Bis zur Ankunft der Männchen war die Hierarchie in der Gruppe kaum noch existent. Vakanga hatte seit dem Tod von Lady, die bis 2018 Oberhaupt der Weibchen war, ihre Stellung als ranghöchstes Weibchen behalten. Unter den restlichen Schimpansen gab es aber keine Rangordnung mehr. Bei der Zusammengewöhnung ließen wir daher erst einmal die Männchen mit Vakanga und ihren Jungtieren Mschangao und Tamika zusammen“, erklärt Festl das Vorgehen. Als Vakanga die beiden Männchen akzeptierte, lernten Lobo und Lome ihre restlichen Artgenossen jeweils allein oder in kleinen Gruppen kennen. „Am nächsten Tag wiederholten wir das Zusammenlassen, dann aber in kürzerer Abfolge. Nach fünf Tagen konnten wir alle Schimpansen das erste Mal im Haus zusammenlassen – für uns war das ein großer Erfolg“, freut sich Festl.

Zusammenführung unter genauer Beobachtung

Bei der Zusammenführung von Schimpansen könne es manchmal rabiat zugehen, wie der Tierpfleger, der die Schimpansen in der Tierwelt „Takamanda“ seit zehn Jahren betreut, berichtet: „Schimpansen lösen Konflikte meist körperlich. Das sieht schnell auch mal brutal aus, denn Schimpansen sind stark und besitzen große, spitze Zähne. Daher haben wir die Zusammenführungen immer mit mehreren Personen beobachtet und wir waren froh, dass der Kollege aus Leipzig fast eine Woche dabei war, denn er kann Lobo und Lome natürlich gut einschätzen.“ Dennoch sei es besonders bei Schimpansen schwierig bis unmöglich für die Tierpfleger, in einer kritischen Situation einzugreifen. Die zehn Schimpansen haben sich gut aneinander gewöhnt und leben harmonisch zusammen. „Allerdings muss man wissen, dass das immer nur eine Momentaufnahme ist: Das soziale System von Schimpansen ist sehr dynamisch“, weiß der Tierpfleger.

Schimpansenmännchen Lome hat die Leitung der insgesamt zehnköpfigen Schimpansengruppe im Zoo Osnabrück übernommen. Foto: Zoo Osnabrück (Marilena Koch)


Bei den Männchen habe sich bereits eine Hierarchie herauskristallisiert: „Der 19jährige Lome ist der Chef der Gruppe. Die Weibchen müssen ihre Rangordnung noch finden und versuchen, ihre Stellung durch Einschmeicheln bei den Männchen zu verbessern“, schmunzelt Festl. „Die Männchen sind sehr in sich ruhende Charaktere und lassen sich von den Weibchen nicht beeindrucken.“ Daher könne es auch noch zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Weibchen kommen.

Warum neue Männchen?

In den vergangenen Monaten und Jahren sei es immer wieder zu Unruhe und Reibereien zwischen den Osnabrücker Schimpansen gekommen, wie Tobias Klumpe, Zoologische Leitung, berichtet: „Unser früheres Männchen Tatu, das bis zum Herbst 2019 am Schölerberg lebte, war mit den Konflikten zwischen seiner ‚Ziehmutter‘ Lady und dem für ihn sexuell attraktivsten Weibchen Vakanga überfordert und konnte die Gruppenstruktur nicht erhalten. Daher stand ich immer in engem Austausch mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtsprogramms, dem Co-Koordinator, dem Chimpanzees Introduction Advisior sowie den Behörden, um einen Wechsel bei den Männchen zu planen. Unsere Prämisse liegt darin, möglichst naturnahe und intakte Sozialverbände zu halten.“ Um das Sozialgefüge der Osnabrücker Schimpansen wieder zu festigen, hatte der Zoo mit den entsprechenden Fachleuten die Lösung erarbeitet, zwei neue, möglichst verwandte Männchen an den Schölerberg zu holen. Das bisherige Männchen Tatu musste das Team dafür an einen anderen Zoo abgegeben – auch wenn dieser Schritt sehr schwer fiel, weil das Tier so lange hier zuhause war.
Nach langer Planung erhielt Klumpe die Nachricht, dass die beiden Männchen Lome und Lobo aus dem Zoo Leipzig nach Osnabrück kommen könnten. „Der Transfer und die Integration von Menschenaffen ist immer eine große Herausforderung, aber in diesem Fall war es notwendig, dass wir neue Schimpansen bekommen. Und passende Individuen zu finden, ist gar nicht so einfach. Ich bin dann mit dem Revierleiter Wolfgang Festl nach Leipzig gefahren, um einen Eindruck von den Tieren zu erhalten. Wir haben lange Gespräche mit den Tierpflegern dort geführt, denn es ist elementar, dass die beiden Schimpansen charakterlich zu unseren passen“, so Klumpe weiter. Auch die Zucht mit Lobo und Lome sei am Schölerberg möglich und werde vom Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms unterstützt. „Die Arterhaltung der Westafrikanischen Schimpansen ist besonders wichtig, denn in der Wildbahn gelten sie als vom Aussterben bedroht“, so der Biologe.
Die Schimpansengruppe besteht nun aus den beiden Männchen Lobo (16 J.) und Lome (19 J.), den Weibchen Vakanga (25 J.), Vanessa (37 J.), Buba (17 J.), Amelie (12 J.) und Tisa (17 J.) sowie dem weiblichen Jungtier Tamika (6 J.) und den männlichen Jungtieren Helmut (6 J.) und Mschangao (1 J.).


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