Auf dem Papier sind Männer und Frauen in Deutschland gleichberechtigt. Anders sieht es jedoch oft in der Realität aus. Das bemerken auch viele Bundesbürger. Nur 13 Prozent von ihnen glauben, dass die Geschlechtergleichberechtigung in der Bundesrepublik bereits erreicht worden ist.
Die Anforderungen an deutsche Frauen sind hoch
Den meisten Mädchen und Frauen in Deutschland ist der Spagat, den sie im Alltag zu leisten haben, nur allzu vertraut. Einerseits sollen sie für die Familie da sein. Andererseits Schule, Uni oder Karriere mit Bravour meistern. Sie sollen strebsam sein und für sich einstehen, gleichzeitig aber ins feminine Rollenbild passen. Sie sollen arbeiten, die Kinder erziehen, den Haushalt erledigen und den Mann abends in erotischen Dessous im Schlafzimmer erwarten.
Allein dieser kurze Abriss an Anforderungen, die an das Frausein gestellt werden, kann einschüchternd wirken. Schließlich wird ein hoher Erwartungsdruck aufgebaut.
Doch immerhin kann frau sich damit trösten, dass in Deutschland genug für die Gleichberechtigung getan wird. Das sehen laut einer IPSOS-Studie zum Weltfrauentag 2025 zumindest 51 Prozent der Männer so.
Haben Männer Angst vor gleichberechtigten Frauen?
Dass die Mehrzahl der Männer die Gleichberechtigung der Frau als abgeschlossen betrachtet, ist mit Blick auf die IPSOS-Studie wenig verwunderlich. Denn 39 Prozent von ihnen fühlen sich durch die Förderung der Gleichberechtigung diskriminiert. Aus ihrer Sicht werde von ihnen zu viel erwartet, um die noch immer herrschende Ungleichheit zwischen Mann und Frau zu verringern.
Ein grundlegender Wandel der Gesellschaft ist selbstverständlich nicht abzustreiten. Schließlich haben Frauen heute mehr Rechte und Möglichkeiten als noch vor ein paar Jahrzehnten.
Dennoch werden einige ihrer Bedürfnisse bis heute kleingeredet. So etwa der Wunsch nach Sicherheit – auch vor verbaler sexueller Belästigung. Die Forderung der SPD, die Strafen für das sogenannte Catcalling zu verschärfen, traf jedoch auf Bedenken.
Strukturelle Ungleichheit belastet Frauen
Am offensichtlichsten zeigt sich die Frauen betreffende Benachteiligung in den Lohneinbußen, die durch die zu leistende Carearbeit entstehen. Zwar meinen in der IPSOS-Studie 42 Prozent der Befragten, beide Geschlechter sollten sich Hausarbeit und Kindererziehung gleichmäßig aufteilen.
Die Realität sieht jedoch anders aus. Denn im Schnitt erledigen Frauen eineinhalbmal so viel Carearbeit wie Männer. Knapp 30 Stunden pro Woche widmen sie sich unbezahlten Arbeiten, darunter etwa Kochen, Putzen oder Wäschewaschen. Mit der Kinderbetreuung verbringt eine durchschnittliche Frau sogar doppelt so viel Zeit wie ihr Partner.
Hausarbeit sowie die Pflege von Angehörigen nehmen oft viel Zeit in Anspruch. Um die Carearbeit leisten zu können, nehmen viele Frauen daher Lohneinbußen durch verkürzte Arbeitszeiten in Kauf. So bestätigt das Statistische Bundesamt, dass 2024 fast jede zweite erwerbstätige Frau in Deutschland in Teilzeit arbeitete.
Die Teilzeitarbeit wirkt sich jedoch nicht nur auf das Lohnverhältnis zwischen Männern und Frauen aus, sondern ebenso auf das Rentenverhältnis.
Frauen und das Risiko der Altersarmut
Bis zum 35. Lebensjahr sind die Rentenansprüche von Männern und Frauen gleichauf, zeigt eine bereits 2019 veröffentlichte Studie der Universität Mannheim und der Tilburg University.
Danach öffnet sich allerdings eine Schere. Männer erwerben ab 35 Jahren deutlich mehr Rentenpunkte als Frauen. Dementsprechend können sie höhere Rentenzahlungen erwarten.
Die geschlechtsspezifische Rentenlücke liegt bei Frauen zwischen 36 und 45 Jahren bei rund 15 Prozent. Bei Frauen zwischen 46 und 55 Jahren klettert sie auf durchschnittlich 26 Prozent hinauf. Das bedeutet, sie erhalten vom Staat knapp ein Viertel weniger gesetzliche Rente als ein gleichaltriger Mann.
Schlimmstenfalls erhöht diese Rentenlücke für Frauen das Risiko der Altersarmut.




























