Flashmob an der Universität Osnabrück am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Gegen sexualisierte Diskriminierung, Belästigung und Gewalt

Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Flash Mob in der Mensa am Schlossgarten. Foto: Universität Osnabrück/Elena Scholz

Osnabrück. Der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November stand an der Universität Osnabrück unter dem Titel: „Sexualisierte Diskriminierung und Gewalt [k]ein Thema an Hochschulen?!“ Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Flash Mob in der Mittagszeit in der Mensa am Schlossgarten, den Studierende des Faches Kunst/ Kunstpädagogik unter der Leitung von Prof. Dr. Barbara Kaesbohrer in Zusammenarbeit mit Annkatrin Kalas vom Gleichstellungsbüro organisiert hatten.

Die aktuelle Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt: 13 Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer waren in den vergangenen drei Jahren von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen. In 81 Prozent der Fälle wurde die Belästigung, Diskriminierung oder Gewalt von Männern verübt. Nichtsdestotrotz waren und sind auch Frauen Täterinnen. In der Studie aus dem Jahr 2015 gaben sechs Prozent der befragten Frauen und 30 Prozent der befragten Männer an, dass sie am Arbeitsplatz von Frauen belästigt wurden. Im Hochschulkontext sind die Zahlen wesentlich höher: Jede zweite Studentin erlebt sexuelle Belästigung während der Studienzeit. 30 Prozent der Vorfälle ereignen sich innerhalb der Hochschule.

„Als Beraterin in Fällen von sexualisierter Diskriminierung, Belästigung und Gewalt habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Auseinandersetzung oft erst dann erfolgt, wenn es zu persönlicher Betroffenheit kommt“, berichtet Annkatrin Kalas, Erstberaterin an der Universität Osnabrück. „Wir haben in diesem Jahr eine Form der Auseinandersetzung gewählt, bei der es schwer wird, wegzuschauen. Sie ist unmittelbar und erregt zwangsläufig die Aufmerksamkeit der Hochschulöffentlichkeit“, erklärt Kalas weiter.

Circa 60 schwarz gekleidete Studierende aus dem Fach Kunst/Kunstpädagogik stellten sich während des Flash Mobs in der Mensa auf und versperrten den Studierenden teilweise den Weg an den Kassen und zu den Sitzplätzen. Ihre Kleidung war mit Zetteln beklebt, auf denen die Studienergebnisse der Antidiskriminierungsstelle des Bundes standen. „Den Flash Mob fand ich ein geeignetes Instrument, um auf elegante Weise zahlreiche Studierende und Lehrende auf dieses sensible Thema aufmerksam zu machen“, so Prof. Kaesbohrer. Im Seminar erarbeitete eine kleine Gruppe von Studierenden Form und Ablauf der Aktion, während die Studierenden von zwei weiteren Seminaren eingeladen wurden, bei dieser Aktion mitzumachen.

Stefan Kobilke, Geschäftsführer des Studentenwerks Osnabrück, begründet seine Bereitschaft, die Räume des Studentenwerks zur Verfügung zu stellen, so: „Das Gleichstellungsbüro der Universität und das Studentenwerk haben bei Fällen sexueller Belästigung im Umfeld der Mensa und der Universität schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet. Gemeinsam setzen wir uns für den Schutz der Studierenden ein.“

Dass die Universität ihre Verantwortung gegenüber allen Angehörigen und Gästen sehr ernst nimmt, macht sie nicht nur durch ihre Richtlinie gegen sexualisierte Diskriminierung, Belästigung und Gewalt deutlich. „Uns als Hochschulleitung ist es außerdem ein dringendes Anliegen, Betroffenen eine umfassende Beratung innerhalb und außerhalb der Universität zu bieten, um ihnen Handlungssicherheit zu geben. Werden uns Vorfälle bekannt, gehen wir mit aller Entschiedenheit gegen Übergriffe aller Art vor“, expliziert Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Universität Osnabrück.