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Flauschig bis stachelig: Nachwuchs im Zoo Osnabrück

Das Schweinsaffenjungtier wird immer selbstständiger, aber es wird noch bis zu einem Jahr von seiner Mutter gesäugt. Foto: Zoo Osnabrück (Jule Rumpker)

Osnabrück. Kleine Katzen streifen durch hohes Gras und flauschige Küken stehen auf langen Beinen im Wasser – Besucher können zurzeit jeweils zwei Jungtiere bei den Servalen und Flamingos im Zoo Osnabrück entdecken. Auch bei den Stachelschweinen und Schweinsaffen läuft Nachwuchs zwischen den älteren Artgenossen umher.
Als Zoopädagogin Ruth Schnetgöke vor etwa vier Wochen die kommentierte Fütterung bei den Servalen machen wollte, wunderte sie sich: „Die Katze brauchte viel länger als sonst, um zum Fressen zu kommen.“ Als Schnetgöke ein Stückchen an der Anlage entlang ging, wurde die Zoopädagogin von Besuchern direkt angesprochen: „Wann sind denn die Servaljungtiere geboren?“ Hier entdeckte nun auch die Zoopädagogin die Fellhäufchen im hohen Gras. Etwas versteckt in der Nähe der Scheibe war tagsüber der Servalnachwuchs zur Welt gekommen und wird seitdem von Mutter Nahla versorgt. „In den ersten Wochen nach der Geburt werden die Servale von den Tierpflegern in Ruhe gelassen und die Tiere sind auch kaum zu sehen“, erklärt Tobias Klumpe, wissenschaftlicher Kurator. „Wir wollen die Eltern bei der Aufzucht ihrer Jungtiere nicht stören, damit sie sich erstmal aneinander gewöhnen können.“ Die Tierpfleger betreten die Anlage in dieser Zeit nicht und kürzen zum Beispiel auch das Gras nicht. Aus diesem Grund können sie das Geschlecht des Nachwuchses ebenfalls erst später feststellen und ihnen dann erst einen Namen geben. Die Tierpfleger beobachten die Familie aber von außen sehr genau und überprüfen so, ob es den Jungtieren gut geht.

Auf flinken Pfoten die Anlage erkunden

Zwei Servaljungtiere wurden am 13. August tagsüber und in Sichtweite von Besuchern im Zoo Osnabrück geboren. Foto: Zoo Osnabrück (Marilena Koch)


Mittlerweile sind die zwei kleinen Katzen über fünf Wochen alt und Besucher können sie bei schönem Wetter immer häufiger an der Scheibe ihrer Anlage sehen. „Den Jungtieren geht es super“, berichtet Klumpe, „Sie laufen schon durch die Anlage und spielen einige Meter von der Mutter entfernt.“ Nähert sich Vater Tano dem Nachwuchs, verscheucht Nahla ihn fauchend. Wolfgang Festl schmunzelt: „Das ist üblich bei Servalen, aber keine einfache Aufgabe bei zwei neugierigen Kätzchen, die in unterschiedliche Richtungen stolpern, um ihre Umgebung zu erkunden.“ Wenn die Mutter und ihre Jungen aneinander gekuschelt im Bambusgras liegen, erlaubt Nahla dem Kater sich der Gruppe zu nähern und seine Familie genauer zu betrachten. Doch in der Regel ist sie alleine für die Aufzucht der Jungtiere zuständig und niemand darf ihnen zu nahekommen.

Weiterer Nachwuchs bei den Flamingos

Mittlerweile vier Flamingoküken wurden von ihren Eltern ausgebrütet und werden jetzt von ihnen aufgezogen. Foto: Zoo Osnabrück (Marilena Koch)


Anders verhält es sich bei den Flamingos, die in Kolonien leben und sehr gesellige Vögel sind. Deshalb werden auch die Küken schnell in die ganze Gruppe integriert. Besucher können derzeit vier graue Jungvögel beobachten. Der warme Sommer hatte die Flamingos in Paarungs- und Brutstimmung versetzt. „Im Mai fangen die Flamingos an ihre Nester aus Schlammhaufen zu bauen: Sie errichten einen kleinen Hügel, in den sie eine Mulde für die Brut drücken. Durch die Sonne härtet der Schlamm aus und wird zu einem stabilen Gebilde, das den ganzen Sommer über als Nest dient“, erklärt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Kurator. Die Brutzeit der Flamingos beträgt etwas mehr als 30 Tage. Wenn die Küken schließlich geschlüpft sind, füttern ihre Eltern sie mit der Kropfmilch, die sich im oberen Verdauungstrakt der ausgewachsenen Flamingos bildet. Am 7. September kamen zu den zwei im Juli und August geschlüpften Küken noch zwei weitere Flamingojungtiere hinzu. Weißgrau stehen sie nun auf langen Beinen zwischen den älteren Zöglingen. „Die älteren Küken haben sich in den letzten zwei Monaten sehr gut entwickelt. Sie sind gewachsen, bekommen langsam das Federkleid eines erwachsenen Flamingos und den typischen Seihschnabel“, berichtet Wulftange. Erst an den Federn des „Erwachsenengefieders“ können Biologen anhand eines DNA-Test das Geschlecht der Tiere feststellen.

Noch weiche Stacheln bei den Nagetieren

Bei dem Stachelschweinjungtier müssen die Zoomitarbeiter schnell sein: Bevor die Stacheln nach der Geburt aushärten, erhält das Jungtier einen Mikrochip zur Wiedererkennung und das Geschlecht wird bestimmt. Foto: Zoo Osnabrück (Svenja Vortmann)


Muttermilch bekommt auch das am 27. August geborene Stachelschweinjungtier. Anders als beim Servalnachwuchs mussten die Tierpfleger und Andreas Wulftange das kleine Nagetier direkt in den ersten Tagen nach der Geburt untersuchen, da die Stacheln sehr schnell aushärten – später können sie es kaum noch anfassen. „Bei so jungen Tieren ist es allerdings schwierig das Geschlecht zu bestimmen“, berichtet Wulftange, „die Geschlechtsteile von Männchen und Weibchen sehen bei Stachelschweinen sehr ähnlich aus und man muss genau hinschauen, um zu sehen, welches Geschlecht das Nagetier hat.“ Der Biologe ist sich aber sicher, dass die Stachelschweine erneut ein Weibchen zur Welt gebracht haben. Das junge Nagetier lebt nun mit seinen zwei fünf Monate alten Schwestern Mikado und Majong und den Eltern im Zentrum des Zoos. Sie wird immer neugieriger und wandert mittlerweile schon mit ihrer Mutter über die Anlage oder erkundet die ein oder andere Höhle. Besucher können das kleine Stachelschwein mit ein wenig Glück auf ihrer Anlage gegenüber vom Elefantenhaus entdecken.

Affennachwuchs in der Großfamilie

Einige Abbiegungen weiter lebt im Affenhaus seit fast zwei Monaten quirliger Schweinsaffennachwuchs. „Das Jungtier ist fit, gesund und wird immer selbstständiger bei der Erkundung seines Zuhauses“, erzählt Tierpflegerin Nina Gangei, die das Affenjungtier am 26. Juli entdeckte. „Doch wenn es übermütig wird und sich zu weit von der Mutter entfernt, hält sie ihr Junges am Schwanz fest und holt es zu sich zurück.“ Die Schweinsaffen-Mutter ist auch primär für die Aufzucht ihres Nachwuchses zuständig. Das liegt vor allem daran, dass sich der kleine Affe bisher nur von Milch ernährt und sich erst langsam an andere Nahrung herantastet. Schweinsaffen leben in einem großen Familienverband und je älter und selbstständiger der Nachwuchs wird, desto mehr passen auch andere Artgenossen auf das Jungtier auf. Die Tierpfleger lassen die Affenfamilie zunächst in Ruhe, weshalb sie das Geschlecht des Nachwuchses nur bestimmen können, wenn er zufällig in einer passenden Position sitzt. Besucher können Mutter und Kind mit dem Rest der nun insgesamt 15-köpfigen Schweinsaffen-Gruppe auf dem Affentempel oder bei kühleren Temperaturen im Affenhaus beobachten.

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