Traditionsunternehmen Titgemeyer erhält Ausbildungszertifikat der Arbeitsagentur

Die Agentur für Arbeit Osnabrück vergibt ihr Ausbildungszertifikat seit 2017 jährlich an jeweils ein Unternehmen aus Stadt und Landkreis. Foto: Agentur für Arbeit Osnabrück

Osnabrück. Wenig Marketing und dennoch immer genügend Azubis? Dass das funktionieren kann, zeigt das Osnabrücker Unternehmen Titgemeyer – mit einer grundsoliden Ausbildung. Für die Arbeitsagentur ein guter Grund, den Traditionsbetrieb auszuzeichnen.

Die Arbeitsagentur hat das Osnabrücker Familienunternehmen Titgemeyer mit dem agentureigenen „Ausbildungszertifikat 2018/2019“ ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die Arbeitsagentur seit 2017 jährlich Unternehmen (jeweils eins aus Stadt und Landkreis), die sich besonders um das Thema Ausbildung verdient machen und jungen Menschen einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Der diesjährige städtische Preisträger habe sich zurecht einen sehr guten Ruf hinsichtlich seiner Ausbildung erworben, so die Begründung für die Auszeichnung. Während der gesamten Ausbildungszeit erführen die Auszubildenden eine erstklassige Betreuung, würden neben der Arbeit in diversen Bereichen des Betriebs auch bestmöglich auf anstehende Prüfungen vorbereitet. Zudem eröffne Titgemeyer frühzeitig Perspektiven für „danach“ und stehe für eine hohe Übernahmequote.

Fern: „Mundpropaganda ist günstigste Form, um Nachwuchskräfte zu bekommen“

„Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass gut die Hälfte der Azubis im Vorhinein schon einen Bezug zum Unternehmen hatte, vor allem durch Kontakte zu anderen Azubis und Mitarbeitern“, erklärt Christiane Fern, die Chefin der Osnabrücker Arbeitsagentur. „Sie bekommen mit, wie gut die Ausbildung dort läuft, und entscheiden sich dann für eine Bewerbung. Die Mundpropaganda ist sozusagen die sicherste und günstigste Form, um Nachwuchskräfte zu bekommen. Aber einen so guten Leumund muss man sich erst einmal erarbeiten.“

Weniger Ressourcen für Marketing, mehr für die Ausbildung selbst

„Wir stecken insgesamt wenig Ressourcen in das Ausbildungsmarketing“, erklärt Dennis Dierker, Personalleiter bei Titgemeyer. So schalte das Unternehmen zwei Anzeigen im Jahr in Printmedien, beteilige sich aktuell nur an einer Ausbildungsmesse und suche in verschiedenen Fällen, wie z.B. beim ‚Management Information Game‘, den Kontakt zu Schülerinnen und Schülern. „Das war es dann weitgehend auch“, so Dierker. „Dagegen betreiben wir sehr viel Aufwand bei der eigentlichen Ausbildung. Der Knackpunkt ist die Frage: ‚Wie können wir die Azubis unterstützen?‘. Dass unsere Idee von einer guten Ausbildung jetzt von der Arbeitsagentur mit dem Ausbildungszertifikat gewürdigt wird, freut uns sehr.“

Regelmäßiger interner Unterricht für Azubis

Insgesamt zwölf Azubis hat das Unternehmen in diesem Ausbildungsjahr eingestellt. Während der Ausbildung durchlaufen die Azubis sämtliche Abteilungen des Betriebs, beginnend mit dem Lager. Da Titgemeyer in der Produktion und im Großhandel für den gesamten Bereich der Fahrzeugbauteile und der Befestigungstechnik agiert, lernen die Nachwuchskräfte so die Produktpalette kennen. Abgesehen von der praktischen Arbeit erwartet die Azubis regelmäßiger interner Unterricht, um die Produktkenntnisse zu schulen, aber auch um Themen aus der Berufsschule zu vertiefen. Im zweiten und dritten Lehrjahr unterstützt ein ehemaliger Berufsschullehrer insbesondere bei der Prüfungsvorbereitung.

Reflexion und kontinuierliche Verbesserung

Die Azubis der späteren Jahrgänge erwartet eine weitere Aufgabe: Sie gestalten bspw. die Startunterlagen der Neu-Azubis und machen mit diesen ein „Knigge-Seminar“. „Die Älteren wissen am besten, was man zu Beginn benötigt“, erklärt Dierker. „So optimieren die nachkommenden Azubijahrgänge das Material immer weiter.“ Neben den Nachwuchskräften könnte aber auch der Personalbereich lernen. Dierker: „Die Azubis dürfen unsere Arbeit und die der Abteilungen bewerten. So bekommen wir ein gutes Feedback und erkennen, wo wir uns selbst noch verbessern können.“ So gut ausgebildet übernimmt Titgemeyer die meisten Azubis. „Das geht nicht immer bei allen“, so der Personalleiter. „Aber wir sprechen frühzeitig mit allen über ihre Perspektiven nach der Ausbildung.“

Wettbewerb um Azubis in der Region Osnabrück immer stärker

„Das Unternehmen Titgemeyer ist für den Wettbewerb um Nachwuchskräfte gut aufgestellt“, resümiert Agenturleiterin Fern. „Und dieser Kampf wird immer schwieriger. Nimmt man nur die Stadt, den Süd- und den Ostkreis, nähern wir uns einer Stellen-Bewerber-Relation von zwei zu eins. Im kommenden Jahr, wenn der Abiturjahrgang wegfällt, wird das wahrscheinlich noch deutlich dramatischer und gewiss nicht leichter, seine Ausbildungsstellen zu besetzen.“ Aber auch dieses Jahr könnten einige Stellen offenbleiben. So waren Ende August noch 948 unbesetzt. Zwar waren dies 11,3 Prozent weniger als im Vorjahr, allerdings ging auch die Zahl unversorgter Bewerber mit 306 deutlich zurück – ein Minus von 20,1 Prozent. Fern: „Wer unter diesen Voraussetzungen künftig Azubis finden will, muss sich etwas einfallen lassen. Unternehmen wie Titgemeyer, die wir mit dem Ausbildungszertifikat auszeichnen, können dabei gute Vorbilder sein.“