Weihnachtsgottesdienst unter dem Eindruck von Missbrauchsfällen

Bischof Bode nach zehn Monaten wieder im Dienst

Dom St. Petrus Osnabrück in der Adventszeit. Foto: Bistum Osnabrück

Osnabrück. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat am Ersten Weihnachtstag (25. Dezember) im Osnabrücker Dom einen feierlichen Gottesdienst gefeiert. Er trat damit nach längerer Abwesenheit erstmals wieder an die Öffentlichkeit.

Bode war krankheitsbedingt über zehn Monate nicht im Dienst. Er hatte sich im Februar einer komplizierten Bandscheibenoperation unterziehen müssen. Bode ging zu Beginn des Gottesdienstes auf die vor kurzem bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in seinem Bistum ein. Ein inzwischen 85-jähriger Priester hatte in den 1960-er bis 1990-er Jahren nach den bisherigen Erkenntnissen mehrere Kinder sexuell missbraucht. Bode sagte dazu:

„In diesem Jahr erleben wir die tiefe Finsternis in besonderer Weise. Ein Priester unseres Bistums hat sich schwerer sexueller Vergehen schuldig gemacht, die eine breite Spur des Unheils nach sich gezogen haben und es noch tun. Erst jetzt hat die Aussage einiger Opfer die Dinge aufgedeckt und öffentlich gemacht. Andere wurden dadurch ermutigt, ebenfalls das Schweigen zu durchbrechen.

In diesem über Jahrzehnte währenden Geschehen hat es auch ernste Versäumnisse und Fehler auf Seiten des Bistums gegeben. Nach seiner Pensionierung ist der Priester sogar zum zeitweiligen Leiter der Pfarrei und zum unterstützenden Priester ernannt worden – von mir unterschrieben. Dessen bin ich mir schmerzhaft bewusst und ich bitte dafür um Vergebung und Entschuldigung. Zugleich versichere ich allen, dass wir den Dingen an der Seite der Opfer weiter nachgehen, dass wir Hilfen suchen und Konsequenzen ziehen werden.

Liebe Schwestern und Brüder, in dieser Finsternis erfahre ich und erfahren vielleicht auch Sie noch tiefer, für welche Welt Gott Mensch geworden ist. Weil wir gerade heute die Verstrickungen und die Netzwerke des Bösen immer deutlicher erkennen, lade ich dazu ein, einen Moment zu schweigen und die Sünde in der Kirche und unsere eigenen Schuldigkeiten vor Gott zu bringen.“