Zukunft des Theaters: 80 Millionen Euro für die Sanierung

Foto: Robert Schäfer, Stadt Osnabrück

Osnabrück. Erste Berechnungen haben ergeben, dass das Osnabrücker Theater mit rund 80 Millionen Euro saniert werden muss, wenn der Spielbetrieb für die Zukunft gesichert werden soll. Eine Grundsatzentscheidung des Rates wird vorbereitetet für Anfang 2019. Mit dem etwa drei Jahre dauernden Umbau könnte frühestens 2024 begonnen werden.

„Ein Weilchen nur höre mir zu, / dann lass‘ ich dich wieder in Ruh‘“ singt der Charmeur Jaquino zu Beginn von Beethovens Oper „Fidelio“, die gerade auch in Osnabrück gespielt wird.

„Tun wir nichts, laufen wir Gefahr, über kurz oder lang das Theater schließen zu müssen“, sagt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. „Die baulichen Mängel des in die Jahre gekommenen Gebäudes am Domhof mit seiner komplizierten aber veralteten technischen Ausstattung sind inzwischen unübersehbar, so dass wir für die Zukunft des Theaters jetzt sorgen müssen. Allerdings ist mit einem Baubeginn frühestens in fünf Jahren zu rechnen. Wir kalkulieren mit einer Bauzeit von drei Jahren, so dass das Theater frühestmöglich 2027 wiedereröffnet werden kann.“ „Vorher müssen wir noch viel planen, diskutieren und überzeugen und insbesondere auch Drittmittel einwerben“, ergänzt der zuständige Vorstand der Stadtverwaltung Wolfgang Beckermann. „Wir stehen erst ganz am Anfang eines ziemlich langwierigen und komplizierten Prozesses mit ersten Kostenschätzungen und Zeitplänen. Insbesondere stehen wir am Anfang der Diskussion mit dem Rat und der Öffentlichkeit.“

„Diese Diskussion müssen und wollen wir führen angesichts der wuchtigen Investition in Höhe von rund 80 Millionen Euro“, erklärt der kaufmännische Direktor des Theaters, Matthias Köhn. „Wir haben hin und her gerechnet, einen Neubau erwogen, baulichen Notwendigkeiten mit künstlerischen Bedarfen abgewogen. Dabei sind wir mit Unterstützung der Beratungsgesellschaft „Partnerschaft Deutschland“ zu dem Ergebnis gekommen, dass die Sanierung des Gebäudes die günstigere Variante ist als ein Neubau. Billiger ist nur, nichts zu machen, was allerdings auch Geld kostet – und zwar ebenfalls in Millionenhöhe – mit der Folge, dass wir notwendige Entscheidungen lediglich verschieben, und diese Variante damit nur noch teurer wird. Da der Theaterbetrieb während der etwa drei Jahre dauernden Bauphase aufrechterhalten werden soll, müssen eine Ersatzspielstätte und ein Ausweichquartier gefunden und eingerichtet werden.“

Und Intendant Dr. Ralf Waldschmidt sagt: „Um die künstlerische Arbeit für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, ist die Sanierung dringend notwendig. Die Proberäume für alle Sparten sind völlig unzureichend, zu klein dimensioniert, akustisch nicht isoliert, ohne sanitäre Anlagen oder Umkleidemöglichkeiten für die Künstlerinnen und Künstler. Die anstehende Sanierung ist ein Generationenprojekt zur Sicherung der kulturellen ‚Grundversorgung‘ der Stadt und der Region.“

Theater und Verwaltung planen zunächst, alle notwendigen Informationen zusammenzustellen, damit der Rat eine Basis für eine Grundsatzentscheidung erhält, die möglichst Anfang 2019 getroffen werden soll. Dann wird es darum gehen, Drittmittelgeber zu finden, weil klar ist, dass die Stadt diese gewaltige Summe nicht allein schultern kann. Es wird darauf ankommen, ebenso öffentliche Institutionen wie auch private von der Richtigkeit dieser Investition zu überzeugen. „Wir haben das Ziel, etwa zwei Drittel der Gesamtsumme durch Dritte zu finanzieren“, sagt Griesert. „Ich habe natürlich auch die Hoffnung und das Ziel, dass die Osnabrücker zu ihrem von Bürgern gegründeten Theater stehen und die Sanierung mit kleinen, großen und ganz großen Spenden fördern. Wir werden unsere ganze Kreativität dafür einsetzen, um die Osnabrücker nicht nur zu überzeugen, sondern zu begeistern: von der Zukunft des Theaters, von dem Theater der Zukunft – in Osnabrück!“

Sofern der Rat zustimmt, wird eine Projektgruppe unter Leitung von Beckermann alle Aktivitäten vorbereiten und bündeln damit auch in Zukunft, vielleicht zur Wiedereröffnung im Jahre 2027, Leonore in Beethovens Oper „Fidelio“ singt: „O Gott, o Gott, welch ein Augenblick“ und ihr geliebter Florestan antwortet: „O unaussprechlich süßes Glück!“