„Schummeln erwünscht“ – Offene Online-Klausur in der Informatik der Universität Osnabrück

Osnabrück. Die Klausurenzeit am Semesterende bedeutet für viele Studierende: Viel Stoff in kurzer Zeit wiederholen, um ihn in der Prüfung auf den Punkt genau abrufen zu können – und hinterher manchmal schnell wieder zu vergessen. Dass es auch ganz andere Klausuren geben kann, zeigt die Universität Osnabrück jetzt in einer Informatik-Klausur zum Thema „Datenbanksysteme“. Hier fällt das Lernen vor der Klausur entspannter aus, weil während der Klausur nahezu alle beliebigen Hilfsmittel erlaubt sind.

Dr. Tobias Thelen, Informatik-Dozent und stellvertretender Geschäftsführer des Zentrums für Digitale Lehre, Campus-Management und Hochschuldidaktik (VirtUOS), erläutert das Konzept: „In dieser Vorlesung sollen Studierende lernen, wie sie Datenbanken konzipieren und benutzen. Das können sie nur schlecht mit auswendig gelerntem Wissen und mit Papier und Bleistift zeigen.“ Daher findet die Klausur am Computer statt, wo die eigenen Lösungen direkt ausprobiert werden können. Dies sei sehr viel realitätsnäher, begründet Thelen, findet aber, dass diese Form der Wissensüberprüfung nicht zum klassischen geschlossenen Modell von Klausuren passt: „Wenn ich Wissen anwenden und verknüpfen soll, habe ich dabei gerade heutzutage immer die Möglichkeit, auf nahezu unüberschaubare Informationsmengen zuzugreifen. Die Herausforderung besteht eigentlich darin, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden.“

Deshalb gilt: „Schummeln erwünscht“, wie Thelen es scherzhaft ausdrückt. Alle Informationsquellen wie die Vorlesungsunterlagen, alte Aufgaben, das gesamte Internet dürfen genutzt werden und müssen es zum Teil auch. Einzig die Kommunikation mit anderen sei nicht gestattet, so Thelen: „Die Klausur findet ja weiterhin unter Aufsicht statt und wichtige Daten, mit denen gearbeitet werden soll, sind nur von den Rechnern im Prüfungsraum aus erreichbar. So stellen wir sicher, dass wir prüfen, was der oder die Einzelne kann.“

Die Akzeptanz unter den Studierenden ist bislang hoch. Nach einem ersten kleineren Versuch im letzten Semester haben über 80 Prozent der Studierenden angegeben, diese offene Form der Klausuren zu bevorzugen, weil sie realitätsnäher sei und das „Büffeln“ vor den Klausuren deutlich reduziert. Doch Thelen warnt: „Diese offene Form der Klausur ist nicht einfacher. Wer nicht bereits während des Semester kontinuierlich mitarbeitet, kann den Rückstand kaum noch aufholen und wer sich bei der Suche nach Informationen verliert, hat gegen den Zeitdruck keine Chance.“