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Jahresbilanz 2020: Zoo Osnabrück genießt große Solidarität und nutzt Krise als Chance

Andreas Busemann (links), Geschäftsführer der Zoo Osnabrück gGmbH, und Dr. E.h. Fritz Brickwedde, Präsident der Zoogesellschaft Osnabrück e.V., haben die Zoo-Bilanz für das Jahr 2020 vorgestellt. Foto: Lisa Simon

Osnabrück Vier von 12 Monaten war der Zoo Osnabrück 2020 coronabedingt geschlossen, zwei davon lagen in der absoluten Hauptsaison. Der Verlust durch fehlende Eintrittsgelder belief sich im Frühjahr 2020 auf knapp 2 Millionen Euro. Trotz aller Schwierigkeiten hat der Zoo sich mithilfe von Spenden, Marketing und Zuschüssen gegen die Widrigkeiten gestemmt, um den Zoo zu erhalten, Tiere zu versorgen und Mitarbeiter zu halten. Eine Bilanz des letzten Jahres.

„Als wir Mitte März bis Anfang Mai letzten Jahres schließen mussten, sorgte das bei uns allen für schlaflose Nächte. Das sind normalerweise die erfolgreichsten Tage im Jahr. Insgesamt waren wir 2020 sogar vier Monate ohne Einnahmen aus Eintrittsgeldern und die machen in einem normalen Jahr etwa 75 Prozent unseres Budgets aus“, betonte Dr. E.h. Fritz Brickwedde. Doch der Zoo stemmte sich mit aller Macht gegen die Unwägbarkeiten und erhielt viel Unterstützung aus der Bevölkerung. „Das hat mich persönlich sehr berührt – so viele Menschen und auch Firmen haben für den Zoo und seine Tiere gespendet, insgesamt 860.000 Euro! Dafür können wir uns gar nicht genug bedanken.

Ohne diese Spenden wäre es hier auch sehr, sehr eng geworden.“ Die Spenden waren der Grundstein für weitere Unterstützung von der Stadt, die diese um etwa 585.000 Euro erhöhte. „Auch dafür ein herzliches Dankeschön“, so Brickwedde. Darüber hinaus erhielt der Zoo Unterstützung vom Land Niedersachsen in Höhe von 800.000 Euro. Gleichzeitig setzte der Zoo aber auch auf eigene Konzepte und gab Vollgas, wie Brickwedde erklärt: „Neben unserem Spendenaufruf mit Video-Podcasts aus dem Zoo haben wir Retterjahreskarten zu Retterpreisen für 2020, 2021 und 2020 plus 2021 verkauft. Damit, mit Tierpatenschaften, der Retterwurst und anderen Zooretter-Produkten konnten uns die Menschen unterstützen und gleichzeitig davon profitieren.“ Dabei nutzte der Zoo seine digitalen Kanäle mit Online-Shop und Online-Spendenformular, baute diese aus und konnte Einnahmen, die sonst über die Kasse liefen, auf diese Kanäle umlegen.

Mehr Erlöse dank Spenden, Marketing und Merchandising

Mit den zahlreichen Maßnahmen konnte der Zoo seinen Verlust, der im Frühjahr 2020 1,9 Millionen Euro betrug, ausgleichen. Am Ende des Jahres 2020 fielen die Erlöse mit 10,7 Millionen Euro sogar höher aus als 2019 mit 9,8 Millionen. „Unser Zoo ist gemeinnützig, von daher fließt all das Geld zurück in den Zoo. Das sieht man auch an den Aufwendungen, die 2020 8,6 Millionen Euro betrugen und 2019 8,8 Millionen Euro. In 2020 fielen sie aufgrund des wegen der Schließung reduzierten Marketings etwas geringer aus. Mit inbegriffen sind allerdings noch nicht die Abschreibungen, die uns buchhalterisch immer Richtung roter Bereich bringen. Aber das ist normal für einen Zoo“, erläutert Busemann. Deswegen werden die meisten Zoos auch von den Städten bezuschusst, weswegen sich auch nicht jede Stadt einen Zoo leisten könne. Abzüglich der Abschreibungen werde das Polster für den laufenden Betrieb und die weiteren Gehegeverbesserungen benötigt.

„Wir wissen ja auch nicht genau, wie das Jahr weitergeht. Andere Zoos konnten das Corona-Jahr etwas beruhigter angehen, da ein Großteil ihres Budgets von der Kommune getragen wird. Der Zoo Osnabrück ist, mehreren unabhängigen Analysen zufolge, der Zoo mit der geringsten kommunalen Bezuschussung. Neben den hohen laufenden Zuwendungen benötigten nahezu alle Zoos im Laufe der Pandemie weitere Förderungen – der Zoo Hannover wurde 2020 von der Region mit über 4 Millionen Euro zusätzlichem Zuschuss bedacht. Das ist bei uns nicht der Fall, deswegen haben wir mit Spendenaufrufen, Marketingaktionen und Merchandising gegen die Verluste gearbeitet“, so Busemann. „Besonders wichtig ist mir dabei die tolle Teamarbeit bei uns hervorzuheben. Alle haben in ihrem jeweiligen Bereich dazu beigetragen, den Zoo in dieser Krise zu erhalten und gleichzeitig haben uns die Gremien den benötigten Spielraum dafür gegeben. Dafür ein großes Dankeschön.“

Erlöse durch Eintrittsgelder, Pachten und Sponsoring gesunken

Insgesamt gingen die Erlöse durch Eintrittsgelder im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent zurück (2020: 6,2 Millionen Euro, 2019: 6,7 Millionen Euro), mit Blick auf die Gesamterlöse mit zum Beispiel Pacht oder Spenden sind sie sogar um 10 Prozent gesunken. Entsprechend dazu haben sich auch die Besucherzahlen nach unten entwickelt: „Wir hatten sonst etwa 1.050.000 Besucher, jetzt sind es eher 950.000 gewesen. Das sind allerdings geschätzte Zahlen, da wir die mehrfachen Besuche mit Jahreskarten nicht genau erfassen können. Pro Jahreskarteninhaber rechnen wir mit vier Besuchen pro Jahr.“ Der Jahreskartenanteil hat sich um 2,4 Prozent erhöht, dagegen ist der Verkauf von Tageskarten aufgrund der Schließungen um 13 Prozent gesunken. Dass die Einbußen bei Eintrittsgeldern und Besucherzahlen im Coronajahr nicht höher waren, liegt an einer vorsichtigen, aber nach und nach größeren Öffnung für mehr Besucher im Laufe des Sommers: „Wir haben zunächst mit Besucherobergrenzen gearbeitet und diese dann zurückgenommen – natürlich weiterhin mit entsprechenden Hygienekonzepten.

Zusätzlich haben wir die Öffnungszeiten mit unserer Lichterausstellung, den ‚Zoo-Lights‘, verlängert, sodass auch noch abends Besucher kommen konnten. Da für viele Menschen der Sommerurlaub ausfiel, haben sie den Zoo gerne als Ausflugsziel genutzt“, erläutert Busemann. Geringer fallen 2020 auch die Erträge durch Pachten aus, die von 3 Prozent auf 1 Prozent durch die Schließung der Gastronomie zurückgegangen sind. Auch die Sponsoringerlöse durch Firmen sind um 250.000 Euro zurückgegangen. Zugenommen haben dagegen Zuschüsse und Spenden: Die Zuschüsse sind von 12 auf 18 Prozent und die Spenden von 2 auf 9 Prozent angestiegen.

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Ausblick: Zoo nach erneuter Schließung wieder offen

Nun freut sich der Zoo aber erstmal, dass er am vergangenen Samstag, 20. März wieder Besucher begrüßen durfte. Nachdem er am 8. März nach vier Monaten Schließung wieder öffnen konnte, musste er am 17. März wegen zu hoher Corona-Zahlen in Osnabrück erneut schließen. Am vergangenen Freitag hatte jedoch das niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg die Schließung von Zoos in Hochinzidenzkommunen als unverhältnismäßig beurteilt. „Das war für uns eine tolle Botschaft, die Zoomannschaft hat sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um direkt am nächsten Tag um 9 Uhr die Tore wieder zu öffnen und Besucher willkommen zu heißen – natürlich mit allen notwendigen Corona-Auflagen“, berichtet Zoopräsident Brickwedde. „Sollten noch weitere Sicherheitsmaßnahmen von Seiten der Stadt an uns herangetragen werden, sind wir dafür natürlich offen.

Wir hatten selbst bereits mit Kooperationspartner geplant ein Schnelltestzentrum am Zoo zu eröffnen, um einen noch sichereren Zoobesuch zu ermöglichen – allerdings ist die enge Parkplatzsituation dabei ein Hindernis.“ Zusätzlich hat sich der Zoo auch als Veranstaltungsort bei der Luca-App registriert, sodass Besucher zusätzlich zur Online-Anmeldung auch diesen QR-Code vor Ort scannen können und damit Kontaktrückverfolgungen möglich sind.

Wackelige Situation und fahren auf Sicht

„Für uns ist es wirklich überlebenswichtig, dass wir während der nahenden Osterferien geöffnet sind – da startet unsere Hauptsaison. Selbst mit Öffnung werden wir durch die Besucherobergrenze große Einbußen haben, aber gar nicht öffnen, das wäre richtig schlimm gewesen“, beschreibt der Zoopräsident. Zwar konnte der Zoo ab Ankündigung der Öffnung Anfang März wieder starke Einnahmen verzeichnen, aber diese brachen sofort wieder ein, als der Zoo vergangene Woche vorübergehend erneut schließen musste. Geschäftsführer Busemann erläutert: „Die Situation ist wirklich sehr wackelig. Dadurch, dass wir 2020 bereits Jahreskarten für 2021 verkauft haben, haben wir zwar Einnahmen, aber rein faktisch hatten wir im Januar und Februar im Schnitt etwa 3000 Euro pro Tag in der Kasse.

Normalerweise sind das in dieser Jahreszeit etwa 7000 Euro. Und die Versorgung der Tiere kostet am Tag etwa 13.000 Euro. Mit all dem Hin und Her und den Unwägbarkeiten fahren wir zurzeit immer nur auf Sicht.“ Auch könne in diesem Jahr nicht mehr mit hohen Spenden gerechnet werden. Deswegen stelle der Zoo zurzeit noch einen Förderantrag bei der N-Bank, um aufgrund der schwierigen Situation weitere Unterstützung für bereits laufende Umbaumaßnahmen zu erhalten.

Der Zoo wird noch attraktiver

Dennoch schaut der Zoo optimistisch in die Zukunft, denn mit den laufenden Baumaßnahmen wird der Zoo noch attraktiver und das Tierwohl gesteigert: „Der neue Löwenbereich ist bereits seit Ende November von den Tieren bezogen und die Besucher können das Rudel vom 152 Meter langen Höhenpfad aus beobachten. Der alte, umgebaute Bereich wird in Kürze fertig und angeschlossen“, berichtet Zoopräsident Brickwedde. „Die neue Erdmännchenanlage in der Afrika-Tierwelt ‚Takamanda‘ wird im Mai fertig und unsere Großbaustelle für die neuen ‚Wasserwelten‘ ist bereits eingezäunt und die Abrissarbeiten laufen. Im Mai erfolgt der Spatenstich und im Sommer 2022 finden hier unsere Humboldt-Pinguine, Seelöwen, Seehunde und Rosa-Pelikane ein neues Zuhause.“ Ein Zoobesuch lohnt sich also sowohl dieses als auch nächstes Jahr besonders – am besten gleich mit einer Jahreskarte, die zurzeit bis zu 5 Euro rabattiert ist und bis zum 1. April 2022 gilt.

PM/Zoo Osnabrück

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